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Budde, Pit
Pit Budde ist Musiker, Autor, Journalist, tourte acht Jahre als Singer-Songwriter mit der Rock-Gruppe COCHISE durch Deutschland. Produziert CDs mit ethnischen Musiken, Radiosendungen mit Musik aus Afrika für WDR und HR, hat als Interpret, Musiker und Produzent mehr als 30 Tonträger veröffentlicht; beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Kultur und den politischen Auseinandersetzungen indianischer Völker; arbeitet mit afrikanischen und orientalischen Musikern in der Worldbeat Band "Radio Ethiopia"; zahlreiche Aufenthalte in Äthiopien, Kanada, USA, Tanzania, Zambia; politische Aktionen und Projekte interkulturellen Lernens mit inidanischen Aktivisten und afrikanischen Künstlern.

Interview:

1. In "Santa, Sinter, Joulupukki" finden wir neben tollen Bastelideen, Spielen und Geschichten auch spannende Hintergründe zu ganz unterschiedlichen Weihnachtsbräuchen aus aller Welt. Was können wir aus anderen Ländern lernen und welche Bedeutung hat ein "multikulturelles" Weihnachtsfest in Deutschland?

Pit Budde: "Wir bekommen aus anderen Kulturen eine ganze Menge Anregungen für die Weihnachtszeit. Erst einmal wird Weihnachten in vielen Kulturen nicht so besinnlich gefeiert wie in Deutschland. Es ist ja ein Geburtstag, und da wird fröhlich gefeiert, um den Baum getanzt, gespielt und gesungen. Auch spielt der Konsum, das fast schon rituelle Einkaufen, oft nicht eine so große Rolle.
Für Kinder kann die Adventszeit durch Feste aus anderen Kulturen ergänzt werden. Das Lucienfest am 13. Dezember ist sehr gut dazu geeignet. Wer die Adventszeit besonders spaßig gestalten möchte, kann auch vom 12. bis zum 24. Dezember täglich auf einen neuen Jolasveinar warten, denn in Island gibt es 13 Weihnachtskerle, von denen jeder an einem Tag sein Unwesen treibt.
Für den Heiligen Abend würde ich neben den vielen Geschenken zur Abwechslung mal eine Piñata als Höhepunkt des Abends für die Kinder empfehlen.
Wer möchte kann die Weihnachtszeit auch noch zwei Wochen ausdehnen und am 7. Januar ein Orthodoxes Weihnachtsfest feiern."

Josephine Kronfli: "Ein "multikulturelles Weihnachtsfest" ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft, die immer vielfältiger wird. Mittlerweile leben Menschen aus verschiedenen Völkern und Kulturen mit unterschiedlichen Religionen in unserer Gesellschaft. Und selbst die Christen sind nicht einheitlich. Ich stamme zum Beispiel väterlicherseits aus einer syrisch orthodoxen und mütterlicherseits aus einer äthiopisch orthodoxen Familie. Obwohl beide der orthodoxen Religion angehören, können die Rituale doch sehr unterschiedlich sein, weil letztendlich die syrische Kultur einfach anders ist als die äthiopische.
Weihnachten war und ist immer noch ein besonderes Fest für viele Kinder auf der ganzen Welt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein multikulturelles Weihnachtsfest die Neugier der Kinder weckt. Sie erfahren, wie in anderen Ländern Weihnachten gefeiert wird. Sie bekommen einen Eindruck von der Lebenswirklichkeit der Kinder in fremden Kulturen und entwickeln eine positive Neugier gegenüber gleichaltrigen Kindern mit Migrationshintergrund - im Klassenzimmer und auf dem Spielplatz und ganz gleich was für eine Hautfarbe sie haben oder welcher Religionsgemeinschaft sie angehören.
Im Übrigen ist es in Kanada oder den USA längst zur Normalität geworden, nicht nur Weihnachten, sondern auch Feste aus anderen Religionen wie zum Beispiel das muslimische Zuckerfest oder das jüdische Lichterfest "Chanukkah" religionsübergreifend zu feiern."

2. Viele Kinder in Deutschland kommen aus dem islamischen Kulturkreis. Wie können wir sie an unserem Weihnachtsfest teilhaben lassen?

Josephine Kronfli: "Wir können die muslimischen Familien und Kinder in den Kindergärten, Schulen oder innerhalb der Gesellschaft teilhaben lassen, indem wir nicht unbedingt auf die religiösen Einzelheiten des Festes eingehen. In Amerika ist es zum Beispiel üblich, den muslimischen Familien "Happy Holidays" zu wünschen und nicht "Merry Christmas". Wir könnten genauso flexibel unseren muslimischen Freunden "Frohe Feiertage" statt "Fröhliche Weihnachten" wünschen und sie so am Fest teilhaben lassen. Voraussetzung dafür ist eine Offenheit von beiden Seiten. Ich habe eine muslimische Freundin in Deutschland, die Weihnachten als Fest des Friedens auslegt und Weihnachten mit ihrer Familie feiert. Bei ihr wird der Weihnachtsbaum mit Lametta, Sternen und Weihnachtskugeln geschmückt - also nicht mit Engeln und Kreuzen. Es steht auch nirgendwo eine Krippe. Ihre Kinder bekommen Geschenke wie andere Kinder auch.
Also warum nicht den Beispielen der Amerikaner folgen und gemeinsam das "Fest des Friedens" feiern mit vielen Beispielen aus dem Santa Sinter Buch?"

Pit Budde: "Für viele islamische Familien ist Weihnachten mittlerweile ein Verschenkfest, das nicht an die Religion gebunden ist. Ich finde es wunderbar, wenn über religiöse Grenzen hinweg gemeinsam gefeiert wird. Und mal ganz ehrlich, das Weihnachtsfest lehnt sich an Gebräuche an, die viel älter sind als das Christentum. Die Wintersonnenwende wurde seit uralten Zeiten in vielen Kulturen gefeiert."

3. Wie feiern Sie selbst Weihnachten?

Pit Budde: "Wenn es geht, feiern wir zweimal: zuerst als europäisches Fest am 24. Dezember und dann als äthiopisches Fest am 7. Januar. Dabei versuchen wir all die Bräuche, die wir kennengelernt haben und die uns besonders gut gefallen, miteinander zu verbinden. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir schon im November Weihnachtskarten an unsere Freunde und Verwandten nach England schicken - das ist dort so üblich. Dann gibt es natürlich einen selbstgebastelten Adventskalender. Im Wohnzimmer steht eine traditionelle Weihnachtspyramide mit brennenden Kerzen und auch ein Räuchermännchen raucht vor sich hin. Dann schmücken wir eine Palme oder einen Avokadobaum mit Weihnachtsschmuck der Hopi- und Irokesen-Indianer, mit Schmuck aus Mexiko und aus Schweden. Natürlich werden vorher Plätzchen gebacken und wir haben uns auch schon mal an isländischem Laubbrot versucht.
Das Fest selbst ist traditionell für die Familie gedacht, mit einem gemeinsamen Essen, mit Spielen und gemeinsamem Singen."

Josephine Kronfli: "Einige Orthodoxe Christen, wie beispielsweise die Syrer und die Griechen haben ihr Weihnachtsfest auf den 24. Dezember vorverlegt. Andere Orthodoxe Christen wie die Armenier feiern nach wie vor am 6. Januar oder am 7. Januar.
Die Äthiopier feiern am 7. Januar. Als Kind habe ich also zweimal Weihnachten gefeiert. Und ich wurde zweimal beschenkt. Bei uns spielten die Geschenke allerdings keine so große Rolle. Es waren mehr die Rituale, die uns als Kinder beeindruckt haben.
Es wurde zum Fest ein Huhn oder ein Schaf geschlachtet. Das fanden wir beeindruckend. Dann sind wir um Mitternacht in die Kirche gegangen und haben am frühen Weihnachtsmorgen um sechs Uhr die Fastenzeit beendet. Es war einfach toll wie sich alle versammelt haben, um gemeinsam zu essen. Das war viel schöner als jedes Geschenk. Mein Weihnachtsgeschenk war jedes Jahr ein neues, weißes äthiopisches Kleid. Die Baumwolle hat meine Oma selbst gesponnen.
Heute feiere ich immer noch zweimal Weihnachten. Am 24. Dezember mit multikulturellem Touch und am 7. Januar das äthiopische Fest mit einem gemeinsamen Essen. Wenn ich zu Weihnachten aber gerade in Äthiopien bin, gibt es auf jeden Fall zwei große Feste."

Homepage: http://www.karibuni-weltmusik-fuer-kinder.de

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